Poststellenschliessung: Gleiches Recht für Alle

Ab Februar 2016 haben alle Satelliten – Gemeinden des Oberen Fricktales Ihre Postagentur. Nur noch Zentrumsgemeinden dürfen vorerst Ihre Poststelle behalten. Der Informationsanlass der Post am 27. August 2015 gibt Impulse.

Poststelle-schliessen_27-08-15

Informationsveranstaltung im Gemeindesaal Bözen

Eingeladen hat die Post mit der Verteilung eines Flyers in jede Haushaltung. Mit 4 Personen, vom Flyerdesigner bis zum Netzleiter aus dem Unterengadin, war die Post präsent und informierte umfassend.

Die Begründung zu Schliessung der Poststelle wurde mit betriebswirtschaftlichen Zahlen, Sparmassnahmen und Vorgaben des Bundes begründet. Es gelte 100 Millionen Defizit pro Jahr zu verringern, da keine Quersubventionen durch andere Tätigkeitsbereiche der Post mehr möglich seien. Die gewählte Postagentur – Lösung biete der Bevölkerung mehr Vorteile wie längere  Öffnungszeiten sowie weitere, zusätzliche Zahlungsmöglichkeiten ergänzend zur Postfinancekarte, dazu die gute Verkehrserschliessung, weniger Wartezeit und freundliche, kompetente Bedienung.

Bewährte Lösung Postagentur im Dorfladen
Die erste Postagentur der Region in der Verwaltung der Gemeinde Hornussen war gescheitert; seither übernimmt der jeweilige Dorfladen die Funktion der Postagentur in den Gemeinden der Region BözbergWest. Wie zu erfahren war, sei die Entgeltung äussert grosszügig und attraktiv für den Detaillisten. Zudem würde Mehrumsatz durch Käufe der Postkunden entstehen. Das Ladengeschäft in Bözen werde jetzt umgebaut, damit der Betrieb der neuen Postagentur im Frühling nach einer Terminverzögerung aufgenommen werden könne. Die Ausbildung des bisherigen Ladenpersonales dauere 3 mal 2 Stunden und die neue Tätigkeit sei für dieses sehr motivierend. Die Frage aus dem Publikum betreffend Fluktuation und ob die Mitarbeiter wegen der neuen Qualifikation auch besser entschädigt würden, konnte nicht beantwortet werden.

Bedeutung der bisherigen Poststelle für die Region
Das Votum  eines Teilnehmenden, dass bei früheren Umfragen (“Was gefällt Ihnen speziell in der Gemeinde”) die “leistungsfähige Poststelle mit ihrem freundlichen und kompetenten Mitarbeitern” gleich nach dem Restaurant Post und vor dem Turnverein genannt wurde, erstaunte die Veranstalter. Für die Standortpflege ist jeder Abbau in der Struktur schmerzlich. Während Jahren haben sich Gewerbeverein und die Regionale Standortförderung Attraktiver Standort BözbergWest auch für die Poststellenerhaltung eingesetzt, u.a. mit Schreiben an die Post. Allerdings ist es sehr schwierig, den Zentralisierungs- und Verwaltungsstrategien der Post, des Kanton und der Gemeinden Paroli zu bieten. Möglich ist das nur mit innovativen, gesamtheitlichen Lösungen, die von möglichst vielen Betroffenen getragen werden und nachhaltig wirken. Alternativen und Ideen entstanden in den letzten 10 Jahren einige, und Geld zur Veränderung wäre auch da gewesen. Eine 0815 Postagentur ist alles andere als eine innovative Lösung – die Gemeinde hätte etwas mehr verdient…

Rege Diskussion
Nach der Begrüssung eines guten Dutzends Informationsinteressenten durch den Gemeindeammann, begleitet von der Ressort – Gemeinderätin (und einem Gemeindeschreiber im hintersten Rang platziert), bestritten die 4 Repräsentanten der Post die Präsentation und gingen auf die vielen Fragen und Einwände der Teilnehmenden ein. Hingewiesen wurde auch auf den positiven Einsatz des Postpersonals, die von den zunehmenden “Umorganisationen” belastet werden: längere Wege, improvisieren, fehlende Toiletten und mehr. Ein solches Diskussions – Engagement nahezu aller Besucher erlebt man äusserst selten. Es zeigt, wie wichtig die Postdienstleistungen empfunden werden.

Der Weg zur Lösung
Die Information erfolgte durch den Post – Flyer 2 Wochen vor dem Infoanlass. Die Gemeindeverantwortlichen wurden bereits anfangs Jahr von der Post über die beschlossenen Poststellenschliessung informiert und es erfolgten mehrere, vertrauliche Sitzungen des Gemeinderates mit der Post. Dabei wurde weder Gewerbeverein, Standortpflegeorganisationen, sonstige Interessierte oder Knowhow – Träger einbezogen. Kommunikationswege Homepage, Mitteilungsblatt etc. blieben ungenutzt. Obwohl der Entscheid zur Schliessung der Post rechtlich unumstösslich ist, hätte ein grosser Handlungsspielraum, zeitlich wie finanziell, für innovative Möglichkeiten bestanden. Chance verpasst.

Gemeinsam statt einsam
Sehen wir das Positive: Eine gute Gelegenheit, aus der gemachten Erfahrung zu lernen.

Für die Post: Gebt den Betroffenen durch frühzeitige, direkte Ansprache eine Chance zur Lösungsfindung beizutragen. Nehmt nächstes Mal auch einen Vertreter des Detaillisten mit. Es profitieren alle davon.

Für Gemeindebehörden: Gebt den Betroffenen durch frühzeitige, direkte Ansprache eine Chance, zur Lösungsfindung beizutragen. Eine offene, respektvolle Kommunikation bringt die bessere, gemeinsame Gestaltung der Zukunft der Kommune. Es profitieren alle davon.

>>> Informationsflyer Post


Nachtrag Oktober 2017

Die geschlossene Poststelle Bözberg-West und die Postautohaltestelle im Oktober 2017:

Es war einmal…  😉

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2 Kommentare zu Poststellenschliessung: Gleiches Recht für Alle

  1. fricktalgirl sagt:

    Wer sagt denn, dass eine Lehre bei der Post unbedingt drei Jahre dauern muss? Dreimal zwei Stunden zum Erreichen von postgeschäftlicher Fachkompetenz scheinen ja völlig zu genügen… 😉

  2. Redaktor sagt:

    … Impression (Nachtrag): Die Post im Oktober 2017

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