Weihnachten 1944: Absturz eines US-Bombers bei Würenlingen

Am 25. Dezember 1944 startete ein US-Bomberverband, darunter die Consolidated B-24G “Maiden America”, von seiner Einsatzbasis in Italien zu einem Angriff gegen den Güterbahnhof von Innsbruck. Schon vor Ankunft über dem Ziel wurde die Formation von der deutschen Flak unter Feuer genommen und dabei die “Maiden America” schwer getroffen.

Jacqueline Fischer aus Böztal alias Bözberg-West alias Bözen hat die „Maiden America“ als Modell im Massstab 1/48 nachgebaut

Beide Motoren auf der linken Seite fielen aus, ebenso Funk, Kompass und Hydraulik. An eine Rückkehr über die Alpen zur Flugbasis war nicht zu denken. Man beschloss daher, den Verband zu verlassen und auf eigene Faust westwärts in die neutrale und vermeintlich sichere Schweiz zu fliegen.

Zum Entsetzen der Besatzung wurde der angeschlagene Bomber von einer Schweizer Fliegerabwehr-Einheit beschossen, weil die irrtümlich an einen Angriff glaubte. Wegen der grossen Beschädigungen war es nicht möglich, die Notlage des Bombers durch Ausfahren des Fahrwerks oder mit dem Abfeuern von Signalraketen anzuzeigen.

Auf Befehl von Pilot 1st Lt Vincent Fagan sprangen deshalb sieben Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm ab, bevor die B-24 nordöstlich von Würenlingen auf einem Feld niederging. Zwei Männer stürzten mit der Maschine zu Tode: Der Fallschirm des Navigators hatte sich offensichtlich am Flugzeug verfangen, und einer der beiden Seiten-Bordschützen hatte sich – wahrscheinlich unter Schock stehend – geweigert, das Flugzeug zu verlassen.

Und als wenn das nicht schon tragisch genug gewesen wäre, wurde auch noch der Co-Pilot am Fallschirm hängend abgetrieben – ausgerechnet in die eiskalte Aare, in der er jämmerlich ertrank.

Es ist schwer zu verstehen, warum die Schweizer Flab auf das bereits schwer beschädigte Flugzeug gefeuert hat. Einer von vielen möglichen Gründen war bestimmt die allgemeine Nervosität, welche durch die gegen Kriegsende zunehmenden – versehentlichen – Bombardierungen im Grenzgebiet ausgelöst worden waren.

Der Pilot Vincent Fagan und der damals verantwortliche Kommandant der Flab-Einheit konnten sich Jahrzehnte nach dem Zwischenfall bei einem Gedenkanlass in Würenlingen die Hände reichen und so zumindest für sich persönlich diese unschöne Geschichte abschliessen. 

Zum Gedenken an den Absturz wurde 1965 in Würenlingen ein Denkmal errichtet, dessen Inschrift allerdings markante Fehlinformationen aufweist

Fotos/Text zur Verfügung gestellt von Jacqueline Fischer
Jacqueline’s Modellbauseiten

Mehr Details und Fotos zu den damaligen Ereignissen

Artikel Generalanzeiger Nr. 50 vom 12. Dezember 2019

 

 

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